Kunst, die berührt – von ZoooooZ Roland Zulehner & Mumzy
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
ZZ Art Fantasien in Farbe gelebt. Der Künstlername ZoooooZ ist weit mehr als ein verspieltes Pseudonym. Roland Dirk Zulehner, geboren 1974 in Neresheim, formte ihn bewusst als verdichtetes Zeichen seiner künstlerischen Haltung. Das Wort beginnt und endet mit dem Z – dem Anfangsbuchstaben seines Nachnamens Zulehner. Zwischen diesen beiden Ankern stehen fünf Os. Diese Wiederholung ist kein Zufall. Die O’s stehen für Unendlichkeit und grenzenloses Potenzial. Sie erinnern an den offenen Kreis, an den ständigen Kreislauf von Werden und Vergehen, an die ununterbrochene Bewegung, die in jedem seiner Bilder spürbar ist. Sieben Buchstaben insgesamt – eine Zahl, die traditionell Glück und Vollkommenheit symbolisiert. Gleichzeitig tragen die O’s eine visuelle und philosophische Dimension: Sie wirken wie offene Augen, wie Fenster, wie Mundöffnungen, die atmen. Sie signalisieren Offenheit und Weitblick – Eigenschaften, die ZoooooZ selbst als zentral für sein Schaffen beschreibt. Der Name klingt wie ein gedehntes, freudiges „Zooooo…Z“ – ein Laut zwischen Staunen, Energie und spielerischer Wildheit. Dieser Name spiegelt sich direkt in seiner Malerei wider. ZoooooZ arbeitet bevorzugt mit Heavy-Body-Acryl. Die Farbe bleibt lange nass, sie läuft, tropft, vermischt sich unkontrolliert und erzeugt jene pastosen, fast reliefartigen Oberflächen, die seine Bilder so unverwechselbar machen. Genau wie die fünf O’s im Namen immer wiederkehren, kehren in seinen Werken Farbströme, Tropfen und Wirbel wieder – sie wiederholen sich, erneuern sich, fließen ineinander über. Die Farbe tanzt. Seine eigene Philosophie lautet: „Love makes colors dance.“ Die leuchtenden Orange-, Violett-, Gelb- und Blautöne, die auf der Leinwand explodieren, sind keine bloße Dekoration. Sie erzählen Geschichten – oft Geschichten von Musik. Billy Joel am Piano, Carlos Santana mit der Gitarre, die Energie von Rock, Samba und Sehnsucht. ZoooooZ malt nicht ab, er übersetzt. Er nimmt Rhythmus, Gefühl und Atmosphäre eines Songs und verwandelt sie in fließende, tropfende, vibrierende Farbmassen. Die fünf O’s im Namen wirken wie fünf offene Augen, die die Welt betrachten und gleichzeitig nach innen schauen. Genauso blicken seine Bilder den Betrachter an: nicht als fertige Abbilder, sondern als Einladungen, selbst in die Farbe einzutauchen, die Geschichten weiterzuspinnen und die Unendlichkeit der Möglichkeiten zu spüren. ZoooooZ ist damit kein Künstlername im herkömmlichen Sinn. Er ist ein Programm. Er steht für die Überzeugung, dass Kunst nie stillsteht, dass Farbe fließen muss und dass jeder Pinselstrich – wie jedes O im Namen – Teil eines größeren, offenen Kreises ist.
Entdecke Kunstwerke voller Energie, Tiefe und Fantasie – gemalt mit Leidenschaft, erzählt mit Seele. Jede Leinwand bei Deep Lyrik Art ist mehr als nur Farbe auf Stoff. Sie ist ein Echo von Musik, ein eingefangenes Gefühl, ein stiller Dialog zwischen Pinsel und Seele. In den wirbelnden Orange- und Violetttönen von Samba Pa Ti tanzt die Leidenschaft Carlos Santanas, während im dämmrigen Licht des Piano Man die Geschichten einer ganzen Nacht in Blau, Gold und Schatten leise weiterklingen. Unsere Bilder entstehen aus dem, was uns bewegt: aus Songs, die unter die Haut gehen, aus Momenten voller Sehnsucht und Freiheit, aus der Überzeugung, dass Farbe Geschichten erzählen kann, die Worte allein nicht fassen. Heavy Body Acryl, wilde Spritzer, pastose Schichten und leuchtende Kontraste – alles dient dem einen Ziel: dich einzuladen, innezuhalten, zu träumen und für einen Augenblick in einer anderen Welt zu versinken. Komm näher. Lass dich treiben. Nimm ein Bad in Farbe – das Leben ist bunt.
Fahre mit der Maus über ein Bild, um mehr zu erfahren oder klicke auf das Bild.
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
Billy Joel schreibt „Piano Man“ aus dem echten Leben einer dunklen Los-Angeles-Bar. Im Jahr 1972 flieht er vor einem verheerenden Plattenvertrag mit Family Productions. Sein Debütalbum Cold Spring Harbor ist kommerziell gescheitert, und der Vertrag fesselt ihn. Joel verlässt New York, zieht mit seiner damaligen Freundin Elizabeth Weber nach Los Angeles und taucht unter. Er nennt sich fortan Bill Martin – abgeleitet von seinem vollen Namen William Martin Joel – und nimmt einen Job als Lounge-Pianist im Executive Room an, einer inzwischen längst abgerissenen Piano-Bar im Wilshire District. Sechs Monate lang spielt er dort nächtelang. Er beobachtet die Stammgäste, hört ihre Geschichten und verdient gerade genug, um die Miete zu zahlen. Später erinnert er sich: „It was a gig I did for about six months just to pay rent. I was living in LA and trying to get out of a bad record contract I’d signed. I worked under an assumed name, the Piano Stylings of Bill Martin.“ Die Figuren im Song stammen direkt aus diesem Raum. Joel bestätigt das 2017 gegenüber der Library of Congress unmissverständlich: „It’s pretty accurate. It’s what really went on when I was a piano man in this piano bar. All the characters have the same name: there was John at the bar, the bartender; Davy was in the Navy; a guy named Paul, who was a real estate agent and was trying to write the great American novel, and the waitress, who was my girlfriend at the time and then became my wife.“ John schenkt die Drinks aus und erzählt Witze, obwohl er lieber woanders wäre. Paul sitzt Abend für Abend an der Theke und arbeitet an dem Roman, den er nie fertigstellt. Davy trägt die Navy in sich und bleibt ihr treu. Die Kellnerin, die „Politics“ übt, ist Elizabeth Weber selbst – sie bedient, während Joel am Flügel sitzt. Joel erkennt früh den Stoff. Er sagt später: „I had the idea to write a song about that particular job. I was like, ‚I’ve got to get a song out of this!‘ So it took place over a period of time. I came up with a melody: ‚Sing us a song, Piano Man…,‘ and then, little by little, I filled in the characters, and the scenario.“ Über Wochen hinweg formt er aus den Beobachtungen eine Walzer-Melodie und limerick-hafte Verse. Er porträtiert nicht nur die anderen – er porträtiert auch sich selbst: den Musiker, der unter fremdem Namen spielt, während seine Anwälte den Ausweg aus dem Vertrag suchen. Aus dieser Zeit im Executive Room entsteht 1973 der Song, der Billy Joel den Durchbruch bringt und ihm für immer den Namen „Piano Man“ gibt. Die Bar ist heute verschwunden, die Menschen sind weitergezogen – doch die Geschichten, die Joel an jenem Flügel gesammelt hat, leben weiter.
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
Alphaville Forever Young Forever Young (1984) ist weit mehr als eine Hymne auf die Jugend. Der Song entstand im Kalten Krieg, in einer Zeit der Atomangst und Unsicherheit. Diese historische Stimmung prägt das Lied: Die Hoffnung auf Zukunft steht neben der Möglichkeit, dass diese Zukunft plötzlich endet. Es geht nicht ums Älterwerden, sondern um eine innere Haltung – die Fähigkeit, neugierig zu bleiben, sich zu begeistern und das Leben immer wieder neu zu entdecken. „Für immer jung“ bedeutet, niemals mit dem Staunen aufzuhören. In einer Welt, die bedroht ist, bekommt der Wunsch nach ewiger Jugend einen bitteren Beigeschmack. Er bedeutet dann nicht mehr „Ich will nicht alt werden“, sondern „Ich weiß nicht, wie viel Zukunft mir bleibt“. Wir möchten alles festhalten, haben aber keine Kontrolle über die Zeit. Der Song erinnert daran, dass das Leben keine Garantie auf ein „Später“ gibt – und fragt, wie wir leben würden, wenn wir das wirklich begreifen. Der Wunsch nach ewiger Jugend ist ein Aufbegehren gegen das Verschwinden. Vielleicht wollen wir nicht wirklich jung bleiben, sondern dass das Leben seine Intensität nie verliert – dass aus Neugier nicht Gleichgültigkeit wird. Die Musik klingt feierlich wie ein Gebet, trägt aber eine Verletzlichkeit in sich. Der Song gibt keine eindeutige Antwort – er lässt die Spannung zwischen Hoffnung, Vergänglichkeit und Sehnsucht bestehen. Das Lied funktioniert bei Hochzeiten, Geburtstagen und Beerdigungen. Es berührt eine Erfahrung, die alle teilen: Wir möchten, dass das, was uns wichtig ist, nicht einfach verschwindet. Es geht nicht um körperliche Unsterblichkeit, sondern um den Wunsch, Spuren zu hinterlassen. Ein Gedanke, eine Erinnerung, ein Kunstwerk, ein Lied können weiterleben. „Forever Young“ ist kein Versprechen, die Zeit zu besiegen – es ist der Ausdruck der Sehnsucht, dass Leben, Liebe und Staunen größer sein mögen als die Zeit.
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
Cris Rea Auberge „Auberge“ von Chris Rea ist ein Lied, das auf den ersten Blick wie eine Reisebeschreibung wirkt, doch in Wahrheit beschreibt es die Flucht vor einer inneren Unruhe, die man nicht mehr kontrollieren kann – und die Suche nach einem Ort, an dem man endlich zur Ruhe kommt. Das französische Wort „Auberge“ bedeutet „Gasthaus“ oder „Herberge“, aber im Kontext des Liedes steht es für etwas viel Tieferes: einen Zufluchtsort, einen sicheren Hafen, einen Ort der Wahrheit. Die Reise als innere Notwendigkeit. Chris Rea beschreibt den Zustand des Getriebenseins bereits in den ersten Zeilen: „On the hard fast train, on the road to gain / Something gets right through to your telling bone / There's a sudden itch, an electric twitch / Sometimes I swear this body's got a mind of its own.“ Das „harte, schnelle Zug“ ist kein realer Zug – es ist das Leben selbst, das einen vorantreibt, immer auf der Suche nach Gewinn, nach Erfolg, nach dem nächsten Ziel. Und plötzlich spürt man etwas, das tiefer geht als der Verstand: „Es dringt direkt bis in deinen Knochen durch.“ Der Körper rebelliert, der „elektrische Zucken“ ist ein inneres Warnsignal. Man verliert die Kontrolle – „dieser Körper hat einen eigenen Willen“ . Es ist der Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr der Kapitän seines eigenen Schiffes ist. Der Zufluchtsort als einzige Antwort. Auf diese Erkenntnis folgt eine radikale Klarheit: „This is the naked truth, this is the light / There's only one place left to go – Auberge.“ Die „nackte Wahrheit“ ist, dass es keinen Ausweg gibt außer der Rückkehr zu einem Ort der Geborgenheit. Nicht der Erfolg, nicht das Weiterhetzen, nicht die Ablenkung – nur die Auberge, die Herberge, der Ort, an dem man sein darf. Musixmatch interpretiert dies als „Suche nach Wahrheit und Licht in einer Welt, in der der Schein trügt“ . Die Wiederholung des Wortes „Auberge“ wird zu einem Mantra, einer Beschwörung. Doch der Weg zur Auberge ist nicht einfach. Rea zeichnet ein unheimliches Bild: „You meet the silent type on a windy trail / With a shiny cloak and an unseen silver dagger.“ Der „schweigsame Typ auf dem windigen Pfad“ ist eine archetypische Figur – eine Verkörperung all dessen, was einem auf dem Weg zur Selbsterkenntnis begegnet: Verführer, Bedrohung, das Unausgesprochene. Der „glänzende Umhang“ täuscht, der „unsichtbare Silberdolch“ ist die Gefahr, die man nicht sieht. Man kann reden, bis es wehtut, man kann sich selbst eine weitere Pause gönnen – aber „du kannst an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass es einfach keine Rolle spielt“ . Es ist die Konfrontation mit einer Macht, gegen die man nicht ankommt. Der dritte Vers enthält die härteste Lektion des Liedes: „Think with a dagger and you'll die on your knees / Begging for mercy, singing: Please, Mister, please.“ Dies ist eine unmissverständliche Warnung: Wer mit Gewalt denkt, wer die Welt mit Härte und Berechnung angeht, wer andere oder sich selbst mit der Klinge des Verstandes bekämpft – der wird auf den Knien sterben, um Gnade flehend. Die Musik- und Textplattformen ordnen diese Zeilen dem Themenfeld „Verzweiflung“ und „Kapitulation“ zu . Es ist das Eingeständnis, dass Kontrolle und Härte nicht zum Ziel führen, sondern in die Niederlage. Die tiefste Bedeutung des Liedes ist also nicht geografisch. „Auberge“ ist der Ort, an dem man aufhört zu rennen. Es ist der Moment, in dem man die „nackte Wahrheit“ akzeptiert – dass man allein nicht weiterkommt, dass der Körper eine eigene Sprache spricht, dass die ständige Suche nach Gewinn nicht erfüllt, sondern zermürbt. Ein Rezensent des Albums schrieb, „Auberge“ handele davon, dass der Erfolg beängstigend sein kann und Chris Rea seinen „sicheren Ort“ sucht – die „Herberge“ als „der Ort, an dem wir uns wirklich wohlfühlen“ . In diesem Sinne ist „Auberge“ kein fröhliches Reiselied. Es ist ein Gebet um Ruhe. Ein Bekenntnis zur eigenen Verletzlichkeit. Und die Erkenntnis, dass es manchmal nur einen einzigen Ort gibt, an den man gehen kann – den Ort, an dem man endlich aufhört, jemand anderes sein zu wollen.
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
Persönlicher Jesus „Personal Jesus“: Wenn ein Mensch zum Erlöser eines anderen wird. Depeche Mode veröffentlichte „Personal Jesus“ am 29. August 1989 als erste Single des Albums Violator. Martin Gore schrieb den Song. Anton Corbijn inszenierte das Musikvideo in der spanischen Tabernas-Wüste bei Almería. Der Song klingt zunächst wie ein religiöses Bekenntnis. Tatsächlich stellt er Religion, Liebe, Abhängigkeit und menschliche Macht gegeneinander. Martin Gore erklärte später, dass ihn Priscilla Presleys Biografie Elvis and Me inspirierte. Elvis erscheint darin zugleich als Ehemann und Mentor – also als jemand, zu dem ein anderer Mensch aufschaut und dem er eine beinahe übermenschliche Bedeutung gibt. Gore beschreibt genau diesen Mechanismus: Menschen machen andere Menschen zu einer Art Gott. Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte des Songs. Der „Jesus“ ist kein religiöser Messias. Gore beschreibt den Song ausdrücklich als die Geschichte eines Menschen, der für einen anderen Menschen die Rolle eines Jesus übernimmt: Er gibt Hoffnung, hört zu, kümmert sich und verspricht Halt. Gleichzeitig stellt Gore diese Vergöttlichung infrage, weil kein Mensch perfekt ist. „Your own personal Jesus“ Damit entsteht eine ungewöhnliche Vorstellung: Du brauchst keinen überirdischen Erlöser – du kannst dir deinen eigenen erschaffen. Und dieser persönliche Jesus muss nicht einmal ein Partner sein. Er kann ein Star, ein Prediger, ein Freund, ein Elternteil oder irgendein Mensch sein, dem man so viel Vertrauen überträgt, dass er plötzlich über das eigene emotionale Leben bestimmt. Das macht den Song wesentlich dunkler, als der Titel zunächst vermuten lässt. Denn wenn jemand zum persönlichen Erlöser wird, entsteht automatisch ein Machtverhältnis. „Someone to hear your prayers / Someone who cares“ Diese beiden kurzen Zeilen treffen einen sehr menschlichen Kern. Der Mensch fühlt sich allein und sucht jemanden, der zuhört. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Jeder Mensch braucht Verbindung, Aufmerksamkeit und das Gefühl, dass jemand die eigene Existenz wahrnimmt. Doch Depeche Mode verschiebt diese normale Sehnsucht in eine religiöse Dimension. Der andere soll nicht einfach zuhören. Er soll die Gebete hören. Der andere soll nicht einfach Mitgefühl zeigen. Er soll sich kümmern. Damit übernimmt ein Mensch Eigenschaften, die traditionell Gott zugeschrieben werden. Und genau darin liegt die Spannung des Liedes: Wir brauchen Menschen – aber wir neigen dazu, Menschen zu überschätzen. Der einsame Mensch am Telefon. Eine der stärksten Passagen beginnt mit: „Feeling unknown / And you're all alone“ Der Song beschreibt keinen mächtigen Menschen. Er beschreibt zunächst einen Menschen, der sich unsichtbar und verlassen fühlt. Dann folgt das Telefon. Das wirkt heute fast nostalgisch, aber 1989 besaß dieses Bild eine besondere Kraft: Ein einsamer Mensch sitzt irgendwo, hebt den Hörer ab – und plötzlich verspricht jemand am anderen Ende der Leitung Hilfe. Der Song macht daraus eine Art religiöse Hotline: „Lift up the receiver“ Und unmittelbar danach verspricht die Stimme: „I'll make you a believer“ Das ist entscheidend. Der „Personal Jesus“ wartet nicht einfach darauf, dass du an ihn glaubst. Er will dich zum Gläubigen machen. Damit wird aus Trost plötzlich Überzeugungskraft. Aus Nähe wird Einfluss. Dave Gahans zweite Lesart: der Fernsehprediger Interessant ist, dass Dave Gahan den Song damals anders interpretierte. In einem Interview verband er die Lyrics mit amerikanischen Fernsehpredigern, die Menschen telefonisch von ihren Sorgen und seelischen Problemen „befreien“ wollen. Diese Lesart passt erstaunlich gut zum Text. Der „Personal Jesus“ wird dann zu einer Figur, die sagt: Du hast ein Problem? Ruf mich an. Du bist allein? Ich bin da. Du hast Schuld? Ich vergebe dir. Du zweifelst? Ich mache dich zum Gläubigen. Damit kritisiert der Song nicht unbedingt den Glauben selbst. Er kritisiert vielmehr die Vermarktung des Glaubens und die menschliche Versuchung, sich selbst als Erlöser zu verkaufen. Das macht den Song auch gesellschaftlich interessant. Denn die Grundstruktur funktioniert nicht nur bei Religion. Sie funktioniert überall dort, wo jemand behauptet: „Du brauchst mich. Ich kann dir geben, was dir fehlt.“ „Take second best“ – ein besonders zynischer Moment: Dann sagt der vermeintliche Erlöser: „Take second best“. Das klingt zunächst wie eine Aufforderung, sich mit weniger zufriedenzugeben. Aber gerade im Zusammenhang mit „Jesus“ bekommt die Zeile eine doppelte Bedeutung. Der Sprecher bietet sich selbst als Ersatz an. Nicht Gott. Nicht den perfekten Erlöser. Sondern sich selbst. Er weiß sogar, dass er nur die zweite Wahl ist. Und trotzdem fordert er den anderen auf, ihn zu testen: „Put me to the test“ Das klingt beinahe wie Werbung. Probier mich aus. Der Song verwandelt damit religiöse Sprache in die Sprache eines Angebots. Und genau dadurch entsteht seine Ironie.Beichte, Vergebung und Macht. Noch deutlicher wird das bei: „Things on your chest / You need to confess“ und: „You know I'm a forgiver“ Der Sprecher übernimmt jetzt gleich mehrere religiöse Funktionen: Er hört die Beichte, beurteilt die Schuld und verspricht Vergebung. Aber hier liegt die gefährliche Seite des „Personal Jesus“. Wer über Vergebung entscheidet, erhält Macht über den anderen. Wer die Geheimnisse eines Menschen kennt, besitzt Macht. Wer verspricht, dessen Angst zu beseitigen, kann Abhängigkeit erzeugen. Und deshalb ist der Song für mich nicht einfach ein Liebeslied und auch kein antireligiöser Song. Er handelt von Macht, die entsteht, wenn ein Mensch einem anderen Menschen seine tiefsten Bedürfnisse anvertraut. Und dann kommt das Entscheidende: „Reach out and touch faith“ Die vielleicht berühmteste Zeile des Songs lautet: „Reach out and touch faith“ Das ist eine geniale Formulierung, weil sie etwas Unsichtbares körperlich macht. Glaube soll berührbar werden. Aber was soll der Mensch eigentlich berühren? Gott? Den anderen Menschen? Die eigene Hoffnung? Oder vielleicht nur die Illusion, dass jemand anderes alle Probleme lösen kann? Genau diese Mehrdeutigkeit hält den Song offen. Und sie erklärt auch, warum der Titel so provokant funktioniert: „Personal Jesus“ ist gleichzeitig Trost und Warnung. Das Musikvideo: Der Jesus kommt aus der Wüste. Das offizielle Video von Anton Corbijn verstärkt diese Mehrdeutigkeit erheblich. Corbijn drehte den Clip in der spanischen Tabernas-Wüste bei Almería. Corbijn setzt Depeche Mode in eine Welt, die stark an einen Western erinnert: Wüste, Ranch, harte Kontraste, Cowboys, Körper, Blicke und eine bewusst aufgeladene Sexualität. Die Westernästhetik passt zum bluesigen Gitarrenriff und macht aus dem religiösen Thema gleichzeitig eine Art moderne Mythologie. Das ist besonders interessant. Denn der klassische Western erzählt häufig vom einsamen Mann, der in eine scheinbar grenzenlose Landschaft tritt und sich selbst behaupten muss. „Personal Jesus“ erzählt ebenfalls von Einsamkeit. Nur sucht der einsame Mensch hier keinen Revolverhelden. Er sucht einen Erlöser. Und Corbijn macht aus diesem Erlöser keine heilige Figur. Er zeigt Menschen. Körper. Blicke. Verlangen. Inszenierung. Damit holt das Video den religiösen Begriff „Jesus“ aus dem Himmel herunter und stellt ihn mitten in die menschliche Welt. Die Wüste als perfektes Bild Die Wüste ist dabei mehr als nur eine schöne Kulisse. Sie wirkt leer, heiß und grenzenlos. Es gibt kaum Orientierung. Keinen vertrauten Ort. Kein offensichtliches Ziel. Genau dort erscheint die Idee des „Personal Jesus“ besonders stark. Wenn die Welt leer wirkt, suchen Menschen jemanden, der ihnen Richtung gibt. Die Wüste wird damit zum inneren Zustand. Der Mensch fühlt sich verloren – und sucht jemanden, der ihm sagt, wohin er gehen soll. Das erklärt auch, warum das Video nicht wie ein klassischer religiöser Clip wirkt. Corbijn zeigt keine Kirche. Er zeigt die menschliche Suche nach Erlösung außerhalb der Kirche. Das Entscheidende: Der Song handelt nicht von Jesus Und hier würde ich die tiefste Interpretation ansetzen. „Personal Jesus“ handelt eigentlich nicht von Jesus. Der Begriff „Jesus“ funktioniert als Spiegel. Warum machen wir andere Menschen zu Göttern? Warum geben wir einem Partner, einem Star, einem Prediger oder einer anderen Autorität so viel Macht? Warum erwarten wir von einem einzelnen Menschen Trost, Orientierung, Vergebung und Erlösung? Und warum akzeptieren wir dabei, dass dieser Mensch zwangsläufig unvollkommen bleibt? Martin Gore formuliert genau diese Ambivalenz: Menschen übernehmen in Beziehungen manchmal gottähnliche Rollen, aber niemand ist perfekt – und deshalb ist diese Vergöttlichung eines Menschen keine ausgewogene Sicht.
Gezeichnet von ZoooooZ Roland Zulehner
Steppenwolf Born to be Wild
Deep Lyrik Art ist die Heimat der Kunst von ZoooooZ Roland Zulehner und Mumzy Maria Uberstein. Wir malen, was uns bewegt: Farben, Sonne, Sehnsucht, Freiheit und die kleinen Wunder des Alltags.
Unsere Bilder sind Einladungen – zum Staunen, zum Träumen, zum Innehalten. Jedes Werk entsteht mit Leidenschaft und der Überzeugung, dass Kunst das Leben bunter macht.
„Nimm ein Bad in Farbe – das Leben ist bunt.“
Du hast Interesse an einem Bild, möchtest eine Ausstellung anfragen oder einfach Hallo sagen? Schreib uns!
zulehner@gmx.de